Samstag, 9. Januar 2016

BEST OF 2015, Teil 2 - Die Musik

Weiter geht's mit meinen persönlichen Faves des letzten Jahres, diesmal die goldene Mitte, bevor ich mich den Büchern zuwende; sprich: Musik. Leider, leider, LEIDER bin ich aufgrund vieler Umstände (auf die ich nicht eingehen will und möchte) nicht so zum Hören gekommen, wie geplant, dennoch für 10 Alben hat's dennoch gereicht. Wie immer sehr metallisch und mit ein paar Überraschungen:

10. Skindred - VOLUME (Napalm Records)

Nachdem es im vergangenen Jahr (vermutlich) beim Major Label nicht so ganz geklappt hat (woran keinesfalls das Material Schuld gewesen war), sind die Hip Hop-Reggae-Crossover-Metal-Hüpfspunde von Skindred nun bei einem kleineren Verlag gelandet, geschadet hat's nicht. Na ja, fast. Album Numero 6 ist kraftvoll, treibend, groovt wie Sau - hört sich aber auch bisweilen ein bisschen zu kalkuliert, zu (Achtung, schlimmes Wort) anbiedernd an. Es fehlen hie und da die Überraschungen und leider auch bisweilen der Biss. 


9. Battle Beast - UNHOLY SAVIOR (Nuclear Blast)

"Hitverdächtig trashig" urteilte der Metal Hammer über ebendieses Album. Besser hätte ich's nicht ausdrücken können. Schon der Titel zeigt an, dass so ziemlich alles, was nach 1989 auf dem metallischen Sektor veröffentlicht wurde, von den Finnen mit bewusster Ignoranz gestraft wurde, Songs mit so einfallsreichen Titeln Marke SPEED AND DANGER oder HERO'S QUEST unterstreichen dies. Dennoch: gute Songs sind gute Songs sind gute Songs. Und davon gibt's hier genügend. Sofern man halt auch mit der "klassischen" Schiene was anfangen kann. Gewaltige Pluspunkte gibt's außerdem für zwei Lieder: I WANT THE WORLD ... AND EVERYTHING IN IT und PUSH IT TO THE LIMIT. Der eine huldigt SCARFACE (einer meiner absoluten Lieblingsfilme ever), der andere dessen Giorgio Moroder-Soundtrack. Und macht beide Mal keine schlechte Figur. Respekt!

Ach ja, und das dieses Teil wie 'ne metallische Ausgabe von Sam Fox' TOUCH ME klingt, dürfte wohl auch kaum Zufall sein:


8. Baroness - PURPLE (Abraxxam Hymns/Universal)

Scheiße, wie deklariert man 'ne Truppe wie Baroness? Metal? Nee. Prog-Metal? Früher mal vielleicht. Rock? Sludge? Irgendwie stimmt alles. Es ist auf jeden Fall ein "schweres", ein "intensives" Album geworden - verständlich, nachdem man aufgrund eines Tourbusunfalls sein Leben an sich hat vorbei rauschen sehen. Wobei "schwer" irgendwie auch nicht stimmt, da PURPLE Passagen hat, deren Melodien fast süchtig machen können und das Album insgesamt so faszinierend-mitreißend-hypnotisierend ist wie das tolle Cover. Ein Gesamtkunstwerk und das, was Mastodon auf ihrem letzten Output gerne gewesen wären aber nicht geschafft haben (hab' ich das jetzt nicht schön gesagt?).


7. The Amorettes - GAME ON (Off Year Rocka)

Rock braucht Nachwuchs; hab' ich schon letztes Jahr gepredigt, wird auch im kommenden Jahr nicht viel anders sein. Zumal die "Alteingesessenen" nicht jünger (und auch nicht unbedingt besser) und nicht für ewig da sein werden, wie uns Lemmy Kilmisters plötzliches Ableben (R.I.P.) auf natürlich sehr hässliche Weise vor Augen geführt hat. Umso wichtiger sind da Jungspunde wie diese drei Schottinen, die ehrlichen, nach vorne gehenden Hard Rock machen, schnörkellos aber immer noch ausreichend rotzig. Die seligen Donnas lassen grüßen, oder auch Heavy Tiger, die es ja in meine Top 10 des letzten Jahres geschafft haben. 


6. Huntress - STATIC (Napalm Records)

Das dritte Album, zum dritten Mal in meinen internen Top 10 vertreten. Ich mag die halt, die Mischung trifft 'nen Nerv bei mir. War das Debüt, SPELL EATER eine Verneigung vor Venom und Mercyful Fate, der Nachfolger STARBOUND BEAST klassisch geprägter US-Melodic Metal vom Feinsten, ist die dritte Scheibe gewissermaßen die Schnittmenge davon und macht wieder richtig Laune. An dieser Stelle übrigens meinen zutiefst empfundenen Respekt vor Fronthexe Jill Janus, die im letzten Jahr gottlob den verfickten Krebs besiegen konnte und (hoffentlich) auch ihre bipolare Störung in den Griff gekriegt hat - auch weil wir noch viele tolle Alben mit dir genießen wollen, Jill.


5. Faith No More - SOL INVICTUS (Reclamation/Ipecac Recordings)

1997, als das letzte Faith No More-Album rauskam, hatte ich noch Haare auf'm Kopf, wir zahlten in D-Mark, Helmut Kohl war Kanzler und Akte X dominierte die Fernsehwelt. 18 Jahre später bin ich ein Glatzkopf, wir zahlen mit Euro, wir haben eine Kanzlerin - und Akte X kehrt wieder zurück. Was ich damit sagen will? Keine Ahnung. Irgendwas muss ich ja schreiben. Ach so: FNM haben absolut nix verlernt und zeigen der Konkurrenz, WER den Crossover erfunden hat. Die komischen Stimmen. Das auf-die-Konventionen-kacken. Avantgarde-Rock mit hohem Wiedererkennungswert. Schräg, bizarr, merkwürdig, geil, genial. Willkommen zurück, Querköppe braucht die Welt nötiger als je zuvor.


4. Beyond The Black - SONGS OF LOVE AND DEATH (We Love Music/Universal)

Yeah, aus Mannheim kommt also auch GUTE Musik. Nüchtern betrachtet, ist die Mucke von  diesen Newcomern sicherlich alles andere als originell, aber schließlich geht's hier um die Qualität und die ist in höchstem Maße beeindruckend. Auch wenn die Truppe Starthilfe z. Bsp. in Form von Songschreibern gekriegt hat, gibt es kein Wenn und Aber, das - sofern man am Ball bleibt - diese Band mitsamt ihrem hervorragenden Gothic Metal einmal richtig GROß werden kann. Nightwishgroß, um es zu präzisieren. Die Musiker beherrschen ihr Handwerk und die blutjunge Fronterin Jennifer Haben besitzt nicht nur eine tolle Stimme mit hohem Wiedererkennungswert, nein - sie trägt die Songs auch mit ehrlicher Leidenschaft vor (haben 'se mitgelesen, Frau Fischer)? Live sah ich BTB vergangenes Jahr - passenderweise in der Alten Seilerei in Monnem - und kann jedem an's Herz legen, die Band anzuchecken, sollte sie demnächst mal wieder auf Club-Tour gehen. So lange DIESE Hallen noch ausreichen ...


3. John Carpenter - LOST THEMES (Sacred Bones Records)

John Carpenter ist nicht nur einer meiner Lieblingsregisseure, ich bin auch von seinen (selbst verfassten) Soundtracks stets begeistert. Rhytmische Klangcollagen, sehr auf Synthesizer getrimmt, düster, mitreißend, faszinierend. Inspirierend. LOST THEMES klingt genau so. Ein bisschen wie Material, das im Laufe der Zeit unter'n Teppich gekehrt wurde. Da ein wenig SIE LEBEN, dort etwas DAS DORF DER VERDAMMTEN, DIE KLAPPERSCHLANGE ... alles irgendwie Retro, aber auch irgendwie genau darum so geil. Ein Album für verwaiste Highways und Autobahnen während tiefster Nacht. Call me Snake ...


2. Electric Youth - INNERWORLD (Secretly Canadian/Cargo Records)

DIE Platte hätte eigentlich schon letztes Jahr in mein Best Of reingehört. Dann halt dieses Jahr. Dank DRIVE habe ich diese herrliche Retro-Synthpop-Bewegung kennen gelernt, die sich bewusst ausschließlich an der Populärmusik der 1980er orientiert; dem letzten Jahrzent, in dem besagte Gattung noch originell, kreativ und hörbar war. Das kanadische Duo ist für mich unbestreitbar der beste Vertreter dieser Gattung und präsentiert auf ihrem Einstand herrlich-verträumte, zuckersüße, zum Dahinschmelzen schöne Songs, von denen ich geglaubt hatte, dass sie keiner mehr schreiben würde. Melancholie? Schwelgen in längst vergangenen Zeiten? Ein bisschen schon. Aber vorallem die Gewissheit, wie zeitlos die Musik der 1980er waren, sind und sein werden.


1. Avatarium - THE GIRL WITH THE RAVEN MASK (Nuclear Blast)

Es gibt diese ganz speziellen, diese einzigartigen 'das isses!'-Momente. Wenn du z. Bsp. ein Album hörst und von einer unbeschreiblichen Sogkraft mitgerissen wird, welche es ausströmt. Wenn die Melodien darauf dich träumen lassen, dich inspirieren. Wenn eine Stimme für Gänsehaut sorgt. Avatarium jonglieren kongenial mit Doom, Blues, Rock und auch - ansatzweise - Metal, klingen aber unverkennbar eigen. Dazu noch diese Hammond Orgel ... so klingt Perfektion, so klingt Atmosphäre, so klingen Meisterwerke und Klassiker. 



Sodele. Den Abschluss meiner BEST OF 2015-Reihe werden in Kürze die Bücher machen.
P.S.: Diesmal sind's 10 (in Worten: Z-E-H-N) Positionen, Herr Bützer. Hab nachgezählt. Fünf mal.

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