Samstag, 28. Dezember 2013

Best of 2013, Teil 2 (Filme)

Da sind wir wieder - und damit auch Teil 2 meines persönlichen Jahresrückblicks. Diesmal widme ich mich voll und ganz meinen favoritisierten bewegten Bildern aus 2013. Man könnte es auch als "Spielfilme" beschreiben. Garantiert Hobbitfrei. So sehr ich Peter Jackson weiterhin und mit einer rosaroten Brille gänzlich objektivfrei seinen haarigen Allerwertesten küssten möchte (obwohl ...), so sehr kann und will ich es nicht mehr tun. Die Zeiten, in denen der Mann entweder kultige, innovative Splattergranaten (BRAINDEAD), kultige, innovative Gruselkomödien (THE FRIGHTENERS), zu Herzen gehendes Drama (HEAVENLY CREATURES) oder eben auch kultige, wegweisende Fantasy (HdR) fabriziert hat, sind längst vorbei. Stattdessen Sellout der allerübelsten Sorte und eine Anbiederung an den Massengeschmack, dass ich Durchfall kriege. Von der als "wegweisend" titulierten Abzocke namens HDF (damit der Streifen optisch was von STURM DER LIEBE oder ROTE ROSEN hat) und 3D ganz zu schweigen. Okay, den Geldesel namens 3D nutzt inzwischen jedes Studio, um doppelt Kasse zu scheffeln, aber HDF? Glaubt mir, ich durfte es "erleben" und es sieht einfach nur beschissen aus. Auch nach 10 Minuten. So lange soll ja das menschliche Auge brauchen, bis es sich an diesen schlechten Witz gewöhnt hat (laut PJ). Wie auch die gefakten Landschaften. Oder die CGI-Orks. Oder die Flucht aus der Goblinhöhle, bei der nur noch das Thema von GREAT GIANA SISTERS gefehlt hat. Oderdas komplette Fehlen von Spannung. Einen kompetenten Cutter. Und wenn man schon die (schmale) Vorlage abändert und auswalzt wie einen gottverdammten Pizzateig - warum wurde nicht zumindest ein Teil der düsteren Grundstimmung der Vorgänger übernommen, hm? Handwerklich ist der Film unbestreitbar makellos, aber eben vor allem inhaltlich ein Armutszeugnis sondergleichen; ein Musterbeispiel für narrative Einfallslosigkeit, die durch spiegelglatte Copy-Paste-Epik zu kaschieren versucht wurde. Na ja, so lange es da draußen noch genug rosarote Brillenträger gibt, die brav ihre 16 (!!!) Euro und mehr an den Kinokassen zahlen, braucht sich der gute PJ ja keine Sorgen machen, dass ihm denmächst das Häuslein gepfändet wird. Ob ich ihn aber jemals wieder als den grandiosen Regisseur betrachten werde, der an einem verregneten Samstagabend in den 1990ern liebevoll geschmacklos-augenzwinkernd mein Herz erobert hat, bleibt abzuwarten. Ich für meinen Teil glaube schon lange nicht mehr daran.

So, genug gepoltert. Kommen wir zu meinen cineastischen Lieblingen aus 2013:

10. Only God Forgives (Regie: Nicolas Winding Refn)
Ryan Gosling als wortkarger Krimineller mit einem ernsthaft ausgeprägten Ödipuskomplex inmitten der Hölle namens Bangkok. Ein toter Bruder und eine Mutter, um deren mentalen Zustand man sich Sorgen machen sollte (eine Offenbarung: Kristin Scott Thomas). Zermatschte Gesichter. Ein Typ mit ´nem Samuraischwert. ONLY GOD FORGIVES mit dem Vorgänger DRIVE zu vergleichen, wäre der gänzlich falsche Ansatz. Denn ONLY ... ist noch sperriger und mitunter kräftezehrender. Verstörend und teilweise fast schon unverdaulich. Aber genau DARUM auch so verdammt gut. Mit hypnotischen Bildern und einer mitunter ins exzessive abdriftenden Gewalt (DRIVE wirkt dagegen stellenweise harmlos), gelingt es Refn, die Zeit zu verzerren und den geneigten Zuschauer zu fesseln. Gewalt als Kunst und umgekehrt.

9.1. The Raid (Regie: Gareth Huw Ewans)
Ich verlange von guten Actionfilmen nicht zwangsläufig einen Plot, der es mit einem Shakespearestück aufnehmen kann. Oder Charakterstudien wie beim französischen Autorenkino. Nein, mir genügen im Grunde eine einfache, geradlinige Story, Pro- und Antagonisten, die sich über Taten definieren und weniger durch ellenlange Monologe, möglichst wenig Klischees und natürlich Tempo, Tempo, Tempo. Wie eben bei THE RAID. Ewans Film lässt sich - wie jeder gute Streifen - in einem Satz zusammenfassen: Spezialeinheit muss das 30stöckige Hochhaus erstürmen, in dem sich der Gangsterboss verschanzt hat. Langt vollkommen. Und ist mehr als ausreichend, um ab Minute 5:00 ordentlich die Post abgehen zu lassen. Es wird gekämpft, geschossen, gestochen und geprügelt, dass es eine wahre Pracht ist und ohne die bisweilen grandios choreographieren Kampfsequenzen durch Videoclipschnittmassaker zu verwässern. Dafür wird garantiert das demächst an den Start gehende US-Remake sorgen (dies ist nämlich eine indonesiche Produktion). Ach ja, und einen Hauch shakespearische Tragik gibt's dann gen Schluss doch noch. Was im Grunde auch für nachfolgendes Machwerk gilt, welches sich zwangsläufig den 9. Platz mit THE RAID einfach teilen MUSS:

9.2. Dredd (Regie: Pete Travis)
Ich gestehe: Damals wussten wir's einfach nicht besser. Heute schon. So sehr ich auch Sly Stallone schätze, so deutlich stinkt sein 1995er JUDGE DREDD gegenüber Travis' kompromissloserer Adaption des Comics ab. Vorbei sind die Tage von Versace-Outfits und Rob Schneider (!!!) als humorlosem Möchtegern-Sidekick. Stattdessen ein Karl Urban als perfekte Verkörperung von Polizist, Richter und Henker in einem (und der Helm bleibt AUF!), ein gesundes Maß Härte, die richtige Dosis Krach und Zerstörung, eine superbe Lena Headey als Gegenspielerin (ihre Ma-Ma ist jetzt schon Kult) sowie eine wunderbar dreckige Vision der Zukunft. Das Alex Garlands Drehbuch erstaunliche Parallelen zu THE RAID aufweist - sonderbar, aber in dem Falle eher zweitrangig. Denn dieser Streifen rockt. Und wie die meisten kurzweiligen UND kompromisslosen Filme der heutigen Zeit wird's wohl keine Fortsetzung geben. Warum? Weil die Leute lieber in den fuckin' HOBBIT gestürmt sind. Dafür vielen Dank, ihr Weicheier.

8. Evil Dead (Regie: Fede Alvarez)
So sehr ich das kultige Original liebe, so wenig lässt sich die Tatsache verschleiern, dass Sam Raimis Erstling aus dem Jahre 1981 bisweilen arg schlecht gealtert ist. Aber so sehr ich Raimis Arbeiten auch schätze, so sehr hegte ich auch Zweifel, dass ein Remake eine wirklich gute Idee sein soll. Zum Glück irrte ich mich gewaltig. Hier wird so was von ordentlich auf die Kacke gehauen, dass es eine wahre Pracht ist; da spritzen die Körpersäfte, dass einem Hören und Sehen vergeht, von Verstümmelungen jeglicher Coleur ganz zu schweigen. Trotzdem verkommt dat Ding nie zur plumpen Schlachtplatte und besitzt etwas, was leider den meisten zeitgenössischen Horrorfilmen abgeht: Atmosphäre, Dramatik, Spannung. Das comichafte Wesen des Originals wurde folgerichtig durch knüppelharte Ernsthaftigkeit und dem bewussten Fehlen jeglichen Humors ersetzt. Gute Entscheidung! Der wohl beste Horrorfilm des Jahres ist grimmig, blutig und stimmig - und hat mit Jane Levy (die mir schon in SHAMELESS positiv auffiel) eine arschtretende Heldin am Start. Groovy!

7. Wolverine - Weg des Kriegers (Regie: James Mangold)
Eine zum Glück positive Überraschung. Denn Wolvies erster Soloauftritt war Pfui Bäh. Die Story: ein zusammengewursteltes Irgendwas. Spannung? Nicht vorhanden. Deadpool? Ryan Reynolds. Der Titelheld? Ein Plüschtier mit Koteletten, viel mehr aber auch nicht. Einzig Lynn Collins als Silver Fox ... aber lassen wir das. Aber offenbar haben 20th Century Fox - die die Rechte für X-MEN und Co. besitzen - ihre Lektion gelernt und orientieren sich an den gegenwärtig megaerfolgreichen MARVEL STUDIOS (denen wir u. a. DIE AVENGERS verdanken). Soll heißen: es werden zwar Freiheiten gegenüber der großartigen Vorlage erlaubt (oder sind sogar nötig), aber niemals deren Wesen verändert oder gar verwässert. Das hie und da auch mal die Gesetze der Physik ausgehebelt werden, von mir aus. Man spürt endlich wieder den Spirit der ersten beiden X-MEN-Filme und Hugh Jackman geht endlich wieder in seiner Paraderolle RICHTIG auf. Das nächstes Jahr mit X-MEN: DAYS OF THE FUTURE PAST (der dt. Titel ist mal wieder ein schlechter Witz) der absolute Mutanten-Overkill ansteht, macht WOLVERINE ... sogar noch einen Tacken besser (und dient als hervorragende Einstimmung). Das Famke Janssen als Jean Grey ... aber lassen wir das.

6. Warm Bodies (Regie: Jonathan Levine)
Jetzt ist es also so weit: Zombies müssen als Romantic Interest herhalten. Vielen Dank, verficktes TWILIGHT. Aber mal halblang. Ohne Grund hat es Levines zutiefst sympathischer Film nicht in diese Liste geschafft. Neben tollen Haupt- und Nebendarstellern (Nicholas Hoult ist als Titelheld spitze und wenn er mit Comedy-Ass Rob Corddry ansatzweise kommuniziert muss man einfach breit grinsen), werden Kitsch und Klischees zielsicher umschifft bzw. sich gekonnt augenzwinkernd über gängige Zombie-Konventionen lustig gemacht. Im Kern wird sogar eine solch universelle Frage wie "Was macht uns eigentlich zum Menschen?" so gekonnt hinterfragt, dass man nur staunen kann - im positiven Sinne. Okay, es wird auch Hirn gegessen. Und das Zombies gerne zu den Klängen der Scorpions in die Schlacht ziehen (Rock you like a Hurricane, nicht Winds of Change, ihr Doofbeutel!), macht das Ganze gleich noch sehenswerter.

5. Argo (Regie: Ben Affleck)
Man mag über Afflecks schauspielerische Leistungen halten, was man will - aber als Regisseur hat er's unbestreitbar drauf. Ich für meinen Teil habe jedenfalls schon lange keinen so dermaßen präzise inszenierten, ungemein spannenden, exzellent besetzten und einfallsreich realisierten Politthriller gesehen, der zudem nicht mit irgendwelchen patriotischen US-Bekundungen daherkommt. Neutral, sachlich und verdammt fachkundig erzählt Affleck eine wahre Begebenheit aus den späten 70ern, vergisst dabei ebenso wenig die Gegensätze von westlichen und islamischen Kulturen gegenüber zu stellen noch den einen oder anderen Seitenhieb gen Hollywood zu werfen. Dafür hat er sich die Oscars mehr als verdient.

4. Odd Thomas (Regie: Stephen Summers)
Es ist ja kein Geheimnis, was Bestsellerautor Dean Koontz über Hollywood hält - nämlich nada. Und man kann ihn auch verstehen, wenn man einen Großteil der bisherigen Koontz-Verfilmungen kennt. Und jetzt soll ausgerechnet Stephen Summers, DER Stephen Summers, der mit VAN HELSING einen der miserabelsten Hollywoodfilme der Menschheitsgeschichte vom Stapel gelassen hat, so was wie Abhilfe schaffen? Der seit OCTALUS (1998) nur noch gequirlte Massenwarenscheiße fabriziert hat? Mit einem von Koontz' besten und beliebtesten Helden? Ernsthaft? Jawoll. Ich hab's auch nicht glauben wollen, aber Summers erfasst den Ton der Romane sowas von präzise, dass es eine wahre Freude ist. Klar, auch hier erlaubte man sich Freiheiten (wo ist Elvis?), verfällt Summers gelegentlich in alte Muster. Aber all dies verblasst gegen den Charme, die hervorragenden Darsteller und die wohl dosierte Spannung, die den Film keine Minute langweilig werden lassen. Ihr seht: dreht man den "Großen" den Geldhahn zu und schon werden und müssen sie kreativ werden. Wäre schön, wenn die Studiobosse so auch mal bei einem gewissen Peter Jackson vorgehen würden ...

3. Iron Man 3 (Regie: Shane Black)
Die Marvel Studios machen momentan einfach ALLES richtig - und besitzen trotz allem Umsatzdenkens immer noch den Mut, auch etablierte Helden in eine gänzlich neue Richtung zu lenken. Wie bei IM3 geschehen. Es wäre ein Leichtes gewesen, noch mal die Story der beiden Vorgänger aufzuwärmen, aber nichts da! Stattdessen hinterfragt Black so ziemlich alles, wofür Tony Stark und dessen Anzug steht. Mehr noch, verpasst er ihm ferner ein posttraumisches Stresssyndrom und nimmt ihm obendrein auch noch sämtliche Spielsachen weg. Das Resultat: Eine meisterhafte Comicverfilmung, die mehr was von einem Technothriller Marke Clancy inne hat und genau deswegen so absolut erfrischend daherkommt und begeistern kann. In seinen besten Momenten - und davon gibt es reichlich - übertrifft IRON MAN THREE (ja, dies IST der korrekte Titel) sogar den tollen ersten Teil. Und dass der Downey jr. einfach nur badass ist ... schon klar, oder?

2. Pacific Rim (Regie: Guillermo del Toro)
Wisst ihr, was ich an GODZILLA & Co. schon als Kind gehasst habe? Das man IMMER die billigen Gummianzüge der vermeintlichen Monster erkannt hat - und die Märklin-Modellkulissen schon 1986 einfach nur grottig waren. Okay, viel besser hat es Emmerich ´98 auch nicht hingekriegt, aber zum Glück gibt es ja einen Experten und Fan wie del Toro. Episch beschreibt seine Klopperei/Zerstörungsorgie höchstens ansatzweise. Mit viel Liebe und viel Liebe zum Detail (achtet mal drauf) sowie überbordendem Einfallsreichtum hat der Mann im Grunde das auf Film gebannt, was unsere 10jährigen Egos mit ihren Legohäusern und Actionfiguren im heimischen Spielzimmer veranstaltet hatten: GROßE KAMPFROBOTER! GIGANTISCHE MONSTER! MAXIMALE ZERSTÖRUNG! Und wenn es verwerflich ist, für gut 120 Minuten mal wieder ein großes Kind zu sein, dann bekenne ich mich für schuldig.

1. Django Unchained (Regie: Quentin Tarantino)
Ich bin damals, es muss irgendwann im Januar gewesen sein, aus dem Kino gegangen und wusste bereits: Okay, an DEN Film wird dieses Jahr wohl keiner rankommen. Und so war es. Wenn ein Experte für Western, Grindhouse und Blaxploitation diese drei Genres in einen einzigen Film kulminiert, dann kann das Ergebnis nur fulminant ausfallen. Bei DJANGO ... ist es sogar noch mehr geworden; verdammt viel mehr. Wo soll ich anfangen? Bei den ausnahmslos auftrumpfenden Darstellern? Den klugen Spitzen gegenüber Rassismus und Bigotterie? Dem wie immer göttlichen Soundtrack? Den nicht minder göttlichen Dialogen? Der gesunden Maß an Gewalt und Sperrigkeit? Der Lässigkeit? Der oscarprämierten Kameraführung? Auch wenn DJANGO im dritten Akt ein wenig schwächelt, so lässt es sich nicht leugnen: hier hat der Meister sein womöglich bestes und auch persönlichstes Werk abgeliefert. Schon jetzt ein Klassiker.

So viel zu meinen persönlichen Lieblingsfilmen des (fast) abgelaufenen Jahres. Eigentlich hätte die Liste um ein paar weitere ergänzt werden müssen (GET THE GRINGO, KICK ASS 2, ELYSIUM, etc. pp.), aber die internen Regeln besagen nun mal nicht mehr als 10 Stück (bis auf sehr spezielle Ausnahmen - siehe oben). Auch diesmal wieder alles sehr subjektiv und unabänderlich. Ich für meinen Teil freue mich schon auf das Kinojahr 2014. Bleiben nur noch meine Lieblingsbücher. Über die plaudere ich dann in Kürze.









Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen