Dienstag, 31. Dezember 2013

Best of 2013, dritter und letzter Teil (Bücher)

Da wir bereits 2014 schreiben, während ich diese abschließende Liste schreibe, wünsche ich euch allen ein erfolgreiches, sorgenfreies und vor allem GESUNDES neues Jahr! "Gesund" ... das ist auch ein gutes Stichwort. Weniger bei mir, aber wenn man monatelang mitansehen muss, wie ein starker, gestandener Mann immer weiter seinem Siechtum unterliegt, wenn man tagein, tagaus, die ernüchternde Kälte einer Intensivstation bzw. einer Pflegeanstalt besuchen muss, wenn die hilflosen Blicke des eigenen Vaters bis ins Mark vordringen ... ihr könnt euch vorstellen, dass mir während dieser Zeit alles andere als nach Lesen war. Zu oft kreisten die Gedanken woanders, zumeist an sehr finsteren Orten. Auch noch lange nach dem Tod meines Vaters. Sein Leidensweg war gewissermaßen auch der meinige und der meiner Familie. Mit dem Unterschied, dass wir psychisch entkräftet waren. Nun dürfte auch jedem klar sein, warum mein Blog so lange brach gelegen war. Trotzdem schaffte ich es dann doch, zumindest 10 gute Bücher aufzuzählen, die mir in diesem letzten Jahr, diesem vermaledeiten Jahr des Schreckens, der Hilflosigkeit und der Trauer positiv in Erinnerung geblieben sind.

10. Silverfin (Young Bond, Book 1) von Charlie Higson
Es gehört einiges dazu, Ian Flemings literarisches Erbe fortzuführen. Wäre Charlie Higson daran gescheitert, er wäre nicht der erste gewesen - zumal er sich außerdem den Jugendjahren des wohl berühmtesten fiktiven Spions angenommen hat. Doch siehe da: er überzeugt auf ganzer Linie. Nicht nur ist er mit Bonds Interna bestens vertraut (die im Grunde wenig bis rein gar nichts mit den Filmen gemein hat!), er weiß sie auch einzusetzen. SILVERFIN schlägt gewissermaßen eine Brücke, verbindet Flemings eher ruhigen Stil mit der actionorientierten Prosa der Neuzeit. Selbstredend gibt es da düstere Geheimnisse und einen Schurken, der nicht nur etwas larger than life ist. ABER: die Kontinuität stimmt. Man erkennt in den Taten des Jungen, was der Mann James Bond einmal sein wird. Ich bin schon sehr gespannt auf Teil 2, den ich mir demnächst vornehmen werde.

9. Kalt wie Stahl (Joe Kurtz 3) von Dan Simmons
Die Hommage von Chamäleon Simmons an solche Hardboiled-Schwergewichte wie Donald Westlake findet in KALT ... einen mehr als würdigen Abschluss. Mal wieder gerät der zynische, aber auch knalltharte Privatschnüffler Joe Kurtz ungewollt zwischen sämtliche Fronten, entkommt nur knapp einem Mordanschlag und wird von einem Kopfgeldjäger verfolgt. Und das ist erst die Spitze des Eisbergs. Praktisch mit Seite 1 legt Simmons gleichermaßen Tempo und Genreexpertise vor, dass einem schwindlig wird. Ein grandioser Abschluss einer grandiosen Serie.

8. Civil War Prose Novel von Stuart Moore
Nein, dieses Werk hat nichts mit dem echten US-Bürgerkrieg zu tun, sondern erzählt Mark Millars wegweisende Storyline abermals, nur eben in Romanform. Im Großen und Ganzen geht es darin um den Superhuman Registration Act, der so ziemlich jeden Superhelden des Marvel-Kosmos dazu verpflichtet, als "lebende Massenvernichtungswaffe" ausgewiesen zu werden. Die Parallelen zu ähnlichen Geschehnissen im mutmaßlichen Land der Freiheit dürften offensichtlich sein. Klar, nicht jedem Maskenträger schmeckt so was. Selbst die Superschurken sind davon nicht begeistert. Und so formen sich ungewöhnliche Allianzen, kämpfen einstige Feinde gegen frührere Verbündete um umgekehrt ... Moore fängt die Stimmung der Vorlage so was von gut ein, dass man mit dem Lesen gar nicht aufhören möchte. So ziemlich alles, was bei Marvel Rang und Namen hat, hat in CIVIL WAR mehr oder minder lange, bisweilen auch sehr außergewöhnliche Auftritte. Das Moore ferner Versatzstücke aus dem Marvel Cinematic Universe einbaut, rundet die Sache besonders für relative Neulinge sogar noch mehr ab. Mehr als empfehlenswert. Die deutsche Übersetzung kommt übrigens demnächst bei Panini raus.

7. Flesh Gothic von Edward Lee
Nein, für zimperliche Mainstream- und TWILIGHT-Leser wird Edward Lee in diesem Leben wohl nicht das geeignete Lesefutter bereit stellen. Wer seinen Horror aber auch gerne mal deftig mag, also verdammt blutig, ziemlich versaut und nur mit dem Himmel als Grenze was die kranken Einfälle angeht, der dürfte den Mann längst zu seinen Favoriten zählen. Zumal Lee nicht nur die grundlegenden Fundamente des Genres verinnerlicht hat, sondern außerdem noch verflixt gut schreiben kann. Klar, er ist heftig - aber niemals plump. Mit Bravour erschafft der sympathische Bierfreund eine stimmige Atmosphäre und kreirt einen modernen Haunted House-Roman, der es in seinen besten Momenten durchaus mit den Klassikern aufnehmen kann. Zumal sich hinter diesem literarischen Agent Provocateur ein smarter Zeitgenosse verbirgt, der gekonnt Fanatismen und den allgemeinen Moral- und Werteverfall hinterfragt. So muss moderner Horror.

6. Schänderblut von Wrath James White
Wenn wir von Edward Lee sprechen, darf sein "Nachfolger" natürlich auch nicht fehlen. Bei Wrath James White verhält es sich ganz ähnlich: der Mann schreibt gut, aber eben auch verflucht brutal. Bisweilen übertrumpft er sogar Lees herzhaftes Gedankengut. Doch hinter SCHÄNDERBLUT respektive hinter der darin gestellten Frage "Leiden Psychopathen, Massenmörder und Kannibalen womöglich unter einer Art ansteckender Krankheit, die sie erst zu solchen Ungetümen werden lässt?" steckt vor allem ein katharsicher Effekt des Autors, dessen Kindheit von Gewalt und Verbrechen geprägt war. Dies macht aus SCHÄNDERBLUT vorallen eins: ein mächtig starkes Buch, das unter die Haut geht.

5. Töte John Bender! von Vincent Voss
Rona Walter, Vincent Voss ... auf den ersten Blick vermag man es gar nicht glauben, dass solche nette und witzige Zeitgenossen zu so dermaßen raffinierten und düsteren (Horror-)Thrillern imstande sein können. Was kippen die da bei euch im Norden eigentlich ins Trinkwasser? Spielt ja auch keine Rolle, wenn die Resultate so überzeugen können. Fand ich schon Vincents Vorgängerroman, 172,3 einfach nur genial, legt mein liebenswerter Kollege mit TÖTE ... noch ein paar Schippen drauf. Was als normales Wochenendcoaching auf einer einsamen Insel beginnt, steigert sich langsam aber sicher in den absoluten Horror ... Falls du diese Zeilen lesen solltest, Vincent: Ich bin mehr als beeindruckt. Hierzulande gibt es nur wenige Autoren, die es so überzeugend schaffen, mit einem ganz klaren, eigenen Stil zu schreiben UND so dermaßen präzise Spannung aufzubauen. Was die potenziellen Leser betrifft: Vincents dritter Roman, FAULFLEISCH ist keinen Deut schlechter.

4. Cold City (Repairman Jack - The Early Years, 1) von F. Paul Wilson
In einer besseren Welt hätte ein Meisterautor vom Schlage Wilson längst den gleichen Status inne wie King, Koontz und Konsorten. Nicht nur, aber auch wegen seiner genialen REPAIRMAN JACK-Reihe, die mit den EARLY YEARS nun gewissermaßen eine Fortführung bzw. ein Prequel erhält. Hier erfährt man, wie Jack zu jenem Problemlöser wurde, wie man ihn aus den früheren bzw. späteren Romanen kennt. Vom kosmischen Drama der eigentlichen Serie praktisch losgelöst, überzeugt COLD CITY vorallem als rasanter und präzise durchdachter Actionthriller, der sich qualitativ WEIT von der Konkurrenz abhebt. Großartig!

3. Crazy Wolf - Die Bestie in mir (Horror-Factory, Teil 3) von Christian Endres
Der bislang beste Roman innerhalb der HORROR-FACTORY-Reihe (wobei ich auch noch nicht mit allen Beiträgen vertraut bin). Ähnlich wie Dan Simmons macht Tausendsassa Endres dem Hardboiled-Genre seine Aufwartung, jedoch mit dem Unterschied, dass sein Titelheld kein Ermittler oder Cop ist sondern ein ... Werwolf. Einfach hat es Jackson Ellis aber auch nicht gerade. Für mich der beste deutsche Horrorroman des Jahres: da sitzt jedes Wort, die Handlung ist stets in Bewegung und neben einer kräftigen Dosis warmem Rot gibt es ferner wunderbaren schwarzen Humor. Eine absolute Perle!

2. Leichenfresser von Brian Keene
Keine persönliche Best of-Liste, in der der Name Brian Keene NICHT erscheint. Aber was soll man machen? Der Mann ist nun mal so gut - und sicherlich nicht nur für mich neben Stephen King der beste zeitgenössische Horrorautor. Im Grunde steht die vollends überzeugende Coming of Age-Geschichte LEICHENFRESSER gleich für mehrere Keene-Werke, die mich 2013 begeistert hatten: EARTHWORM GODS II - DELUGE, AN OCCURENCE IN CRAZY BEAR VALLEY, EINE VERSAMMLUNG VON KRÄHEN ... Mit seiner ehrlichen wie kompromisslosen Schreibe trifft Brian einfach meinen Geschmack. Und wird wohl auch in der nächsten Liste erscheinen ...

1. Cannibal Corpse, M/C von Tim Curran
SONS OF ANARCHY trifft auf THE DAY AFTER. CANNIBAL CORPSE ... ist gewissermaßen das Sequel zu Tims genialem Endzeitmeisterwerk VERSEUCHT. Auf 262 Seiten wird da ein Feuerwerk abgefackelt, das einem der Atem stockt, sowohl was die Ausmaße der Zerstörung anbelangt, als auch solche netten Nebeneffekte wie Mutanten, riesige Parasitenwürmer, Untote, komplett durchgeknallte Überlebende ... sucht es euch aus. Perfekt geschrieben und auch nicht ohne Tiefe. Einen sehr guten Magen braucht man aber trotzdem für.

Und damit haben wir wieder alles zusammen. Musik, Film, Literatur. Mal sehen, welche Schätze - oder Enttäuschungen - im neuen Jahr auf mich warten!






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