Sonntag, 10. Juni 2012

Unterwegs in ... Heidelberg

"High above the city square, Globes of light float in mid-air
Higher still, against the night, Clockwork angels bathed in light"

- Rush, Clockwork Angels (2011)

Hallo, werte LeserInnen! Willkommen zu einer etwas anderen Premiere. Denn ab sofort möchte ich an dieser Stelle beziehungsweise unter dem Banner "Unterwegs in" (oder "auf") eine Art persönlicher Reisebericht(e) posten. In unregelmäßiger Form, versteht sich. Wenngleich das zweite Ziel prinzipiell bereits feststeht - lasst euch überraschen, was es sein wird.
Die Premiere macht allerdings eine Stadt, ein Ort, der mir im Verlauf der letzten Dekade (und mehr) sehr und sehr innig ans Herz gewachsen ist: Heidelberg. Praktisch jeder kennt die Stadt, kennt den Namen, aber ... wer kennt sie wirklich?
Wahrscheinlich hat jeder, der es, in welcher Form auch immer, schon einmal mit der kurpfälzischen Residenzstadt "zu tun" gehabt hat, andere Erinnerungen, die zweifelsohne nicht immer positiv sein müssen. Studierende, Touristen, Durchreisende ... die Liste derer, die schon einmal durch die Altstadt geschlendert sind, ist zweifellos sehr lang. Doch wie viele kennen den Königstuhl?
Ich bin überzeugt, so mancher, der Heidelberg kennt - siehe oben - wird sich nun verwundert am Kopf kratzen: "Häh? Königstuhl? Nie von gehört." Und ich gebe diesen Anflug von Egoismus unumwunden zu: Ich bin froh drüber. Wobei ich selbst zugegebenermaßen, eher per Zufall über das kleine große Geheimnis der Neckarstadt gestoßen bin, 2002 um präzise zu sein. Damals, circa Ende Februar, besuchte ich zusammen mit meiner Familie einen Bekannten in der Reha-Klinik Speyerer Hof", welche sich, grob definiert, auf der anderen Seite jener Erhöhungen befindet, deren Spitze durch besagten Königstuhl dominiert wird. Schon damals, inmitten von klirrender Kälte und blendend-weißem Schnee fiel mir diese ganz besondere, spezielle Atmosphäre auf, welche dieser Ort trotz Kälte und kahler Bäume abzusondern schien. Freilich, eine äußerst subjektive Empfindung, jedoch eine, die sich im Verlaufe der Jahre nicht verändert hat; im Gegenteil. Dort oben, in 567,8 Meter Höhe, kann ich einfach wunderbar abschalten und gleichzeitig lange Märsche durch die Natur machen; bin ich mitunter weit und breit der einzige Mensch; ein Zustand, den ich dort bewusst möchte und dementsprechend auch begrüße - zumal man dadurch auch die Möglichkeit(en) hat, den zumeist schüchternen, versteckten Bewohnern des Waldes ungewöhnlich nahe zu kommen. Wie der Wildschwein-Familie, welche im Spätsommer ungeniert hinter mir den Wanderweg kreuzte, oder ein paar Rehe im vergangenen Sommer, die mich bis auf wenige Meter an sich ranließen. Früher eher etwas normales, heute schon eine Seltenheit:

Doch kehren wir in die Gegenwart zurück - welche leider mit einem gescheiterten Konzept beginnt. Wer den Königstuhl genießen möchte (ich) und nicht ständig anderen Spaziergängern, Wanderern und Radfahrern begegnen will (ich, ich, ich), der muss früh aufstehen.Was mir leider nicht wirklich gelang. Unerbittlich krochen die Zeiger der Uhr gen 10.00, als ich mich ins Auto schmiss und schließlich losfuhr.
Die Fahrt von Ludwigshafen nach Heidelberg ist prinzipiell keine, die besondere Fähigkeiten abverlangt. Samstag vormittags sind die Hoch- und Schnellstraßen zumeist überschaubar belegt, sind Staus eigentlich eine Seltenheit. Mein erster individueller "Markierungspunkt" war die, trotz ihrer inzwischen auch schon 7 Lebensjahre zählende immer noch jungfräulich wirkende Mannheimer SAP-Arena, jene multifunktionale Veranstaltungshalle, welche neben Sportevents jeglicher Art auch beispielsweise Konzerte in ihrem Repertoire hat. So kam ich beispielsweise dort schon in den Genuss von Bands wie Rush (2007), Kiss (2008) oder auch im vergangenen Jahr Limp Bizkit. Wie es der Name bereits suggeriert, war der Hauptsponsor für das damalige Großprojekt die aus dem unweiten Walldorf stammende Software-Firma SAP. Moment mal - SAP? Ist das nicht jene Firma, die unter anderem von Dietmar Hopp ...? Genau das ist sie. Und ohne Hopp wäre eine SAP-Arena ebenfalls nur sehr bedingt möglich gewesen; unter anderem, weil der Mann die zweifelsohne immensen Baukosten zinslos vorfinanziert hatte und zudem bis zum Jahre 2035 - respektive seine Verwalter - die Halle auf eigenes Risiko betreibt. Da gibt es bestimmt viele Großstädte, die einiges für solch einen Deal machen würden ...



 Trotzdem gerät Herr Hopp konstant ins "Visier" diverser, ziemlich hässlicher Anfeindungen, die hauptsächlich in der Fußballwelt ihre Wurzeln haben. Weil neben besagter SAP-Arena die TSG Hoffenheim von Dietmar Hopp mäzenisiert wird. Prompt wurden die Aufschreie groß, dass derlei Gebahren die "Kultur" des Profifussballs schädigen würden oder auch die "Tradition." Wobei ich es stets erstaunlich finde, dass die lautesten Schreihälse entweder bei Vereinen zu finden sind, die a) in ihrer arrogant-unrühmlichen Vergangenheit selbst nur so mit Geld um sich geschmissen haben (bevor der bittere Absturz kam), oder b) seit Jahr und Tag in der gleichen "Tradition" schwelgen und gleichzeitig in provinzieller Kurzsichtigkeit die Augen vor der Zukunft verschließen. Mit anderen Worten: Neider. Dabei beschränkt sich die Großzügigkeit des Dietmar Hopp nicht nur auf Multifunktionshallen und Bundesliga-Vereine. Inzwischen hat die Dietmar Hopp-Stiftung über 300 Millionen für die unterschiedlichsten, gemeinnützigsten Projekte ausgegeben, wie beispielsweise in diversen Abteilungen der Universitätskliniken Heidelberg und Mannheim oder Seniorenzentren in St. Leon-Rot, Begegnungs- und Tagesstätten für behinderte Kinder oder Jugendhilfe in Ludwigshafen. Die Liste ist lang. Und jeder, der einem Mann, der so viel Gutes tut, mit primitiven Schmähgesängen und ähnlichen Beleidigungen diffamieren möchte, zeigt umso mehr seine eigene Kleingeistigkeit. Besonders ein Teil der Fussball-affinen Verleumder scheint damit - leider - gesegnet zu sein, wobei Hopps Mäzentum in keinster Weise der Bundesliga schadet und - bewusst - meilenweit entfernt von den geradezu perversen Tätigkeiten eines Roman Abramowitsch bei Chelsea London ist.

Doch genug von Dietmar Hopp, genug von der SAP-Arena. Kehren wir nach Heidelberg zurück, welches einen - sofern man die Stadt aus der Mannheimer Richtung ansteuert - ungewöhnlich nüchtern und urban begrüßt.  Irgendwie - und verstänlicherweise - erwartet man sicherlich ein ähnliches Postkartenpanorama, durch welches die Altstadt und nicht zuletzt das Schloß romantischen Weltruhm erlangt haben. Doch stattdessen: triste Wohnblockatmosphäre, unmittelbar gefolgt von der industriellen Seite der Stadt, wenngleich die Hinweisschilder schon ansatzweise verdeutlichen, dass man auch tatsächlich im richtigen Heidelberg ist. So notwenig Industrie und Mietshäuer für den weniger gut betuchten Part sind, so, nun ja, hässlich präsentiert sich daraufhin eine entscheidende Visitenkarte der Stadt: der Bahnhof; in meinen Augen - zumindest äußerlich - ein unattraktiver Betonklotz, dessen biederes 50er Jahre-Flair definitiv überholt ist. Dennoch steht das Gebäude seit 1972 unter Denkmalschutz, sicherlich der Hauptgrund, warum man dieses Ungetüm aus grauem Beton, jeder Menge Glas und zu vielen unfreundlichen Konturen nicht längst in Grund und Boden gestampft hat.






Für mich stellt der Bahnhof einer jeden Stadt seit jeher eine Art Visitenkarte dar; ist er der erste und demzufolge der oftmals auch haftende Eindruck. Tja, und in diesem Punkt hat sich Heidelberg traurigerweise nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wer die nüchternen Bahnsteige und den kahlen Durchgang hinter sich gebracht wird zwar immerhin von der farbfrohen und mit einigen wirklich guten Geschäften ausgestatteten Schalterhalle begrüßt (die ihre Wurzeln dennoch nicht vollkommen abschütteln bzw. verschleiern kann), was aber dennoch die Tatsache nicht verschleiert, dass dieser Hauptbahnhof nicht wirklich zum bekannten Ambiente der Stadt passen möchte. Auf den Vorplätzen wird man daraufhin mit zwei weiteren Tatsachen konfrontiert: 1.) Heidelberg ist eine Studentenstadt. Die gefühlten 200.000 abgestellten Drahtesel beweisen es, und 2.) trotz aller Beschaulichkeit fehlt auch hier der Platz für Größeres, Separates. So wirken manche Plätze entweder zusammengepresst oder deplatziert. Im ungünstigsten Falle beides. Ein Gefühl, das ich immer habe, wenn ich das reichlich futuristisch anmutende Print Media Acadamy-Gebäude erblicke, welches sich unmittelbar neben dem HBF befindet. Im Übrigen eine weitere Visitenkarte, diesmal der Heidelberger Druckmaschinen AG, die es im Laufe ihrer langen Existenz zu weltweit gutem Ruf gebracht hat. Nicht, dass dieser Klotz (ein besserer Begriff will sich nicht einstellen) kein beeindruckender Anblick ist; allein schon die riesige Pferdeskulptur, mit 13 Metern Höhe und 90 Tonnen Gewicht ferner die Größte ihrer Art und besonders nachts ein wahrer Hingucker aus Licht und angestrahltem Aluminium. Dennoch wirkt besagter Klotz ebenfalls ein wenig erzwungen, man könnte es auch "reingequetscht" nennen. Solche Gebäude sollte man meiner Meinung - und falls es machbar ist - eher in den Außenreichen einer solchen Stadt platzieren, um ein gewisses klares Stadtbild zu erhalten; ähnlich, wie es zum Beispiel die Stadt München mit der Alianz-Arena gemacht hat.
Hat man diesen Part der Stadt hinter sich gebracht, zeigt Heidelberg allmählich (allmählich!) sein wahres Gesicht; tauchen immer mehr Grünanlagen und "klassische" Gebäude auf. Doch ehe es gen Altstadt ging, nahm ich auch schon die entgegen gesetzte Richtung. Der südliche Teil der Rohrbacher Straße ist überwiegend unberrührt von moderner Architektur und wirkt trotz des mitunter hektischen Verkehrsaufkommens dennoch überschaubar, während man über und hinter den Dächern bereits vage jenes Grün ausmachen kann, dem man sich nun mit sehr großen Schritten nähert. Ein weiterer Markierungspunkt stellte der dortige Alois Link-Platz dar, dessen Mittelpunkt von einem klassischen Kioskgebäude dominiert wird, welches seit kurzem - leider - ein verwaistes, trauriges Dasein trachtet. Eine unschöne Narbe, zumal ich mich noch sehr gut daran erinnern kann, wie belebt der einstige Vorplatz einst war und ein Treffpunkt für Jung und Alt gewesen ist. Sehr, sehr schade. Gerade die Kultur des klassischen Kiosks von einst scheint hierzulande und in Zeiten von Internet, EBooks und Co. immer mehr vom Aussterben bedroht zu sein, wenn nicht irgendwelche hässlichen und zumeist anonym-bedeutungslosen Würfel mitten in die Landschaft geklatscht werden. Wie erwähnt: sehr traurig. Danach ging es - buchstäblich - aufwärts; zog unter anderem der Bergbahnhof an mir vorbei, auf dem unter anderem Friedrich Ebert seine letzte Ruhe fand. Zu gegebener Zeit werde ich den Friedhof, der im übrigen  zu den landschaftlich schönsten Grabanlagen seiner Art in Deutschland gehört, genauer unter die Lupe nehmen.
Was nun folgte, war, neben jeder Menge herrlichem Wald vor allem zwei Dinge: Bremsen und Gangwechsel. Mit jeder Kurve schien der Verlauf steiler zu werden. Gleichzeitig wurde aber die Umgebung ebenfalls immer schöner und dichter. Das die (Berg-)straßen relativ begrenzt sind, sollte eigentlich jedem Autofahrer klar sein, trotzdem gibt es weiterhin mehr als genug Derrwische, die einem zumeist mit einem Höllentempo entgegenkommen oder der Meinung sind, dass ihnen die Straße gehören würde. In dem Falle helfen dann auch die moderaten Parkbuchten nur sehr bedingt.





Jedoch wird diese, relativ aufwändige Strecke schließlich von einem adäquaten Ziel belohnt - dem Königstuhl! So auch an jenem morgen. Zumindest ansatzweise. Denn als ich die bereits zahlreichen Vehikel auf dem Parkplatz ausmachte, stand fest, dass ich heute einen anderen Weg einschlagen werde; nicht weiter in den Naturpark, sondern in die entgegengesetzte Richtung und damit wieder den Berg hinab. Sofort fiel mir die Himmelsleiter ein, eine aus unregelmäßigen Sandsteinen behauene Treppe, die besonders nach regnerischen Tagen sehr schlüpfrig und damit durchaus gefährlich sein kann, wie ich aus eigener (schmerzlicher) Erfahrung weiß. Und an diesem Samstag waren die Stufen schlüprig. Dann also die zweite Planänderung. Doch zuvor ein absolutes Must-See, Must-Have: den Blick über Heidelberg und über praktisch das komplette Rhein-Neckar-Dreieck, bestehend aus HD, Mannheim und Ludwigshafen:










Gut, dass ich an diesem Morgen meine Jacke dabei hatte! Es war zwar nicht empfindlich kalt, aber dennoch kühl und windig. Ideales Laufwetter, wenngleich ich mit lediglich einem Shirt durchaus gefroren hätte. Für den Absteig entschied ich mich daraufhin für einen von mehreren Trampelpfaden, die vorwiegend übrigens von Rad- bzw. Mountainbike-Fahrern genutzt werden. Respekt. Denn schon der zügige Abwärtsmarsch verlangt mitunter einiges ab, macht aber auch ebendiesem Grund so viel Spaß. Auch hier finden sich die typischen roten Sandsteine, mal in kleiner, mal in ziemlich großer Form. Aber genau dies ist der "spaßige" Aspekt daran. Ohne es selbst mitzukriegen, wurde mein Tempo immer schneller, meine Ausfallschritte immer größer, bis ein unerwartetes Rumpeln mich inne halten ließ. Die prompte Entwarnung kam sofort: es war nur die hinabfahrende Bergbahn. Darüber gleich mehr. Selbstredend war mein erstes Hauptziel das Schloss, doch zuvor passierte ich erst mal die unmittelbar darüber liegende Station, die Molkenkur. Hier wurde früher in der Tat zu Molke brav gefastet. Heute zeugt davon lediglich der Name. Ab hier ging es zunächst über richtigen Aspahlt weiter, bevor mich ein weiterer Trampelpfad zu sich lockte. Wesentlich steiler, unebener und noch dazu mit jeder Menge hüfthohen Brennnesseln gesegnet, war dieser Part zweifelsohne die finale Herausforderung, bevor die Belohnung keck hinter den Baumwipfeln lugte:










Jawoll - ich hatte es geschafft! Und dieser Anblick lässt jede Qual verblassen, oder, in meinem Fall das hässliche, immer stärker werdende Ziehen des rechten großen Zehs. Nachdem ich die erstbeste Bank in Beschlag genommen hatte, begutachtete ich den Schaden genauer, der sich als unschöne Blase herausstellte. Aber zum Glück hatte ich eine Allzweckwaffe eingepackt: Leukoplast! Also schnell die schmerzende Stelle einbinden und weiter geht's.
Ich mag das Schloss - sowie den angrenzenden Schlosshof - mittlerweile in- und auswendig kennen, trotzdem werde ich nicht überdrüssig, diese, über die Grenzen Heidelbergs hinaus bekannte Ansicht zu bewundern und bestaunen. So auch an diesem, allmählich doch immer wärmer werdenden frühen Nachmittag. Prompt verschmolz ich mit den mannigfaltigen Touristen aus Nah und Fern, wurde mein Spaziergang unter anderem von japanischen, englischen, portugiesischen und bayrischen Dialekten begleitet; allesamt mindestens so exotisch wie mein breites Kurpfälzisch in seinen besten Momenten.
Wenngleich das Schloss de facto "nur" eine Ruine ist, muss man dennoch staunen, wie gut sich die erhaltenen Teile über die Jahrhunderte gehalten haben, bedenkt man, dass die damalige Expertise der Baukunst im Prinzip auf Steine und Mörtel limitiert waren. Trotzdem werden uns die prächtigen Quader aus Neckartaler Sandstein überdauern - und mit Sicherheit noch weitere Generationen. Man kann dem französischen Grafen und Wahlheidelberger Louis Charles François de Graimberg nicht dankbar genug sein, dass er sich für die Erhaltung des Schlosses eingesetzt hat.















Der Anblick eines "klassischen" Studenten mit entsprechender Mütze durfte freilich nicht fehlen. War schwer, den Guten möglichst unbemerkt abzulichten, machte aber auch auf eine Paparazzi-Art ziemlich viel Spaß. Wobei es sich hier eher um das (verstreute) Mitglied einer Studentenverbindung handelte, die unterhalb des Schlosses übrigens ganz vorbildlich am Bechern waren (leider habe ich davon keine Fotos). Sie sind halt auch nur Menschen, die Akademiker.


Der weitere Weg führte mich mehr aus reiner Neugier ins neu errichtete Besucherzentrum, einem kompakten Quader aus, nun ja, Sandstein ... Quadern, welcher trotz aller Bemühungen nur sehr bedingt ins Gesamtbild passt. Hauptsächlich interessierten mich die zahlreichen Souveniers, mit denen vorwiegend das locker sitzende Geld der Besucher aus Übersee aus den Taschen gelockt werden soll. Prinzipiell ist da auch nichts Falsch dran, auch nicht gegen den Eintritt für den Schlosshof. So ein Komplex saniert sich ja nicht von selbst und die Stadt will ja auch den einen oder anderen Euro verdienen. Mitunter musste ich aber trotzdem den Kopf schütteln. Gegen T-Shirts, Postkarten und Bildbände ist ja prinzipiell nichts einzuwenden, aber ... kitschige Bierkrüge? Schneekugeln? Messersets? Trotzdem wechselten derlei Artikel den Besitzer, wer hätte es gedacht. Tja, und wer hätte gedacht, dass die Welt so klein sein kann, entdeckte ich an der Anmeldung eine mir bekannte Kehrseite, die tatsächlich zu jener Person gehörte, die ich vermutete (und die einige von euch kennen, trotzdem werde ich es nicht ausplaudern. Okay, vielleicht zur BuCon.).


Der finale Abstieg zur Altstadt folgte - und damit noch mehr Romantik. Ich liebe diese schmalen Gassen, das typische Katzenkopfpflaster, die zumeist aus der Jahrhundertwende stammenden Häuser. Zusammen ergeben sie eine Atmosphäre, die man in Worten nur sehr schwer beschreiben kann; mann muss sie erlebt, genossen haben. Doch auch - oder gerade hier - gibt es auch wieder diese eine ganz spezielle Gebäude, das wohl aus Platzgründen direkt unterhalb des Schlosses erbaut wurde: die Vollzugsanstalt!
Ja, richtig gelesen. Es ist beinahe das selbe Dilemma wie mit der Print Media Acadamy, nur dass dieser Bau noch deplatzierter wirkt - und schlichtweg grottenhässlich ist. Dafür haben die Insassen bestimmt einen tollen Ausblick.



 Unmittelbar daneben entdeckte ich an der anschließenden Durchführung diese krude Zeichnung eines "Hickelkastens", bei uns auch als "Himmel und Hölle" bekannt. Ein dezenter Wink mit dem Zaunpfahl für all jene, die demnächst gefilterte Luft atmen dürfen? Oder nur das Werk eines Zeitgenossen mit einem reichlich schwarzen Sinn für Humor? Ich jedenfalls musste darüber schmunzeln, wie auch stets über den Namen der Straße, in der die Anstalt steht: "Oberer Fauler Pelz."
Damit hatte ich nun gewissermaßen "offiziell" die Heidelberger Altstadt erreicht. Nun wurden die Gassen teilweise noch schmaler und verwinkelter. "Wie eine Spielzeugstadt", kommentierte eine junge Frau das Ganze. Recht hatte sie. Aber gerade in diesen Gässchen gibt es unzählige Läden, die nur darauf warten, entdeckt und durchstöbert zu werden; jenseits vom emsigen Treiben der zentralen Haupstraße, der Hauptschlagader der Altstadt. Freilich sind viele der Geschäfte vorwiegend auf die jugendlichen Studenten Anfang, Mitte 20 ausgerichtet, doch dazwischen gibt es noch immer reichlich Platz für kleine, aber sehr feine Schmuck-, Bekleidungs- sowie Einrichtungsläden, die sich auf das "Besondere" spezialisiert haben, das man eben nicht in den großen Einzelhandelsketten finden kann. Besonders in den sogenannten Plöck wird der alternative Shopper mehr als fündig werden, unter anderem bei mehreren Antiquariaten, einem "richtigen" Spielzeugladen, einem Diakonieladen ("Brot & Salz") sowie bei meinem Favoriten, dem "Heidelberger Zuckerladen" - Kult! Hier gibt es alles, was das süße Herz begehrt; noch dazu in einer wunderschönen Tante Emma-Atmosphäre und mit einem waschechten Original hinter der Theke. Einmalig, würde ich sagen. Nicht nur in Heidelberg.


Zwangsläufig führte mich der Weg aber doch gen Hauptstraße. Zum einen, weil ich einem meiner Lieblingscafés einen Besuch abstatten wollte, zum anderen, weil ich - natürlich - auch die dortigen Geschäfte erkunden wollte. Klassisches Windowshopping. Bei strahlend schönem Wetter waren die Plätze praktisch überall dauerbelegt; erneut von den unterschiedlichsten Nationen. Hier erlebte ich übrigens 2006 mein ganz persönliches "Sommermärchen", zur WM natürlich, als sich Menschen aus aller Herren Länder friedlich vor und in den Straßencafés und Restaurants versammelt hatten, ich glaube, einen Tag, nachdem wir das Vorrundenspiel gegen Polen denkbar knapp mit 1:0 gewonnen hatten. Damals gab es nicht einen Funken von Rivalität. Strahlende, freundliche, friedliche Gesichter, wohin man auch blickte. Obgleich die meisten die Trikots ihrer Nation trugen. Ich werde wohl nie die kleinen Jungs vergessen (in Deutschland-, Italien- und Brasilientrikots wenn ich mich recht entsinne), die friedlich auf dem Marktplatz miteinader gekickt haben; vielleicht der beste Beweis, dass Sport doch verbindet und - für mich zumindest - die beste Bestätigung, wie sinnlos unsere Kriege sind. Schickt die Politiker am Besten auf den Bolzplatz und lasst sie dort ihre Probleme austragen!
Wenn alles nur so einfach wäre ...
Ein Spruch, der sich auch auf Teile der Heidelberger Altstadt übertragen lassen. Denn das einstige Lieblingscafé - es war nicht mehr da! Und auch hie und da klafften mehrere Lücken in der Geschäftswelt der Altstadt. Es ist eben auch dort leider nicht alles Gold, was glänzt. Nichts desto trotz bedeutet Heidelberg am Wochenende und bei gutem Wetter eigentlich nur eines: Massenansturm! Dieser Samstag war keine Ausnahme. Touristen und "Einheimische", friedlich miteinander vereint.


Und immer wieder war ich amüsiert über den vorzeitigen Verkauf von echten Weihnachtskrippen aus dem Erzgebirge; ein Umstand, den schon 2005 meine damalige Begleitung äußerst lustig fand:


Man kann die Haupstraße in zwei Kategorien einteilen: der Touristen- bzw. Fressmeile sowie der reinen Einkaufmeile. Beide geht praktisch nahtlos ineinander über, beides ist durchaus lohnenswert, wobei die modernen Gebäude erneut bisweilen durch unangenehme Deplatzierung auffallen, da sie einfach, nun ja zu modern sind.
Leider geht auch der schönste Tag irgendwann einmal zu Ende und so machte ich mich am späten Nachmittag schließlich auf den Rückweg. Jedoch nicht zu Fuß. Stattdessen entschied ich mich für die bereits erwähnte Bergbahn. Kein preisgünstiger Spaß, aber ein lohnenswerter. Mit Umsteigen dauerte die Fahrt rauf auf den Königstuhl knapp 20 Minuten und erlaubt es dem Gast, peux a peux nochmal einen tollen Blick auf die Altstadt werfen zu können - sowie auf die Flora des Schlossberges. Immer wieder schön!


Was bleibt zum Schluss? Die Erinnerung an einen weiteren, abwechslungsreichen, kurzweiligen, spannenden, amüsanten, schönen Tag in einer meiner Lieblingsstädte. Leider konnte ich nicht alles sehen, was ich mir vorgenommen hatte, aber schließlich sieht man sich im Leben immer mindestens ein zweites Mal. Auf jeden Fall wird dieser "Reisebericht" (der euch hoffentlich gefallen und Laune gemacht hat), nicht der letzte sein. Das nächste Ziel steht mehr oder weniger bereits und ich würde mich freuen, euch auch davon ausführlich berichten zu dürfen.

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