Sonntag, 16. Oktober 2011

BuCon 2011

Der (goldene) Herbst naht, die Blätter fallen ... und während bei uns damit (zumeist) die Kerwezeit ansteht (also überwiegend infantile Sauforgien, alkoholgeschwängerte Drohungen, schlechte Gute-Laune-Mucke, fliegende Gläser - das Übliche eben) bereite ich mich stattdessen lieber auf die nächste Auflage des Buchmesse-Cons vor, oder abgekürzt (ihr ahnt es schon): BuCon. Seit 2007 ist der jeweilige Termin knallrot in meinem Kalender markiert und stets freue ich mich schon Wochen vorher auf meine Fahrt ins beschauliche Dreieich-Sprendlingen.
So auch gestern, wenngleich die groß vorgenommenen Pläne - mal wieder - umgehend nichtig gemacht worden sind. Statt früher Abfahrt bestieg ich erst um dreiviertel Elf (das bedeutet 10:45 Uhr) mein Vehikel und machte mich auf den Weg. Da mich die letzten Fahrten gen Dreieich bzw. Frankfurt gelehrt hatten, mit dem Schlimmsten zu rechnen ... rechnete ich auch damit. Doch was mussten meine blauen Augen mit Unglauben feststellen? Die Dauerbaustelle am Viernheimer Kreuz war praktisch nicht mehr existent und der Irrgarten aus gesperrten Fahrspuren und noch mehr aufgerissenen Abschnitte kaum noch mehr als eine Erinnerung. WTF? Auch blieb der befürchtete Stau (ihr wisst schon: Ende der Herbstferien) komplett aus. Stattdessen gab's eine herrlich unbeschwerte Fahrt bei prächtigem Sonnenschein und etwas Morgennebel; zeigte sich der Herbst von seiner besten Seite. Begleitet von den Klängen von Huey Lewis & the News und der neuen Mastodon (interessante Mischung, gell?) war die Fahrt geradezu traumhaft unbeschwert und wurde sogar noch besser, als der mitunter zu desaströsen Richtungswechseln neigende Fahrer diesmal keinen solchen Fauxpas darbot. Was in weniger geschwurbelter Sprache heißen soll, dass ich mich diesmal kein einziges Mal verfranst habe. Kunststück, kenne ich die Strecke nach Dreieich inzwischen blind ...
Nach weniger als einer Stunde stand ich also wieder auf "meinem" Stammparkplatz, packte meine Siebensachen und war bereit für meinen fünften BuCon. Wie üblich entrichtete ich (gerne) den geforderten Obolus, erhielt die obligatorische Con-Tüte sowie eine Stecknadel zu meinem Ticket. Häh? Ganz einfach: diesmal gab es auf dem Ticket die Möglichkeit, den eigenen Namen und/oder eventuelle Forenkürzel einzutragen. Dadurch mutierte die Eintrittskarte gleich zum Namensschild, welches man sich an die Brust, den Ärmel, den Rücken oder wo auch immer pinnen konnte. Alternativ gab es ferner die Möglichkeit, die Karte auch gleich (und leihweise) in eine Plastik-Hülle zu verstauen. So oder so ließ sich nun besser ausmachen, wer da eigentlich vor einem stand. Und die wie immer fleißigen Veranstalter konnten gleich ausmachen, ob die Person auch wirklich Eintritt gezahlt hatte. Eine gute, lobenswerte Idee!
Schwuppdiwupp stand ich daraufhin wieder im Hauptsaal und staunte nicht schlecht, wie proppenvoll es dort bereits war! Selbstredend hatten viele der "üblichen Verdächtigen" bereits längst ihre Positionen eingenommen (z. Bsp. das Dynamic Duo vom Atlantis-Verlag, Guido Latz und Dirk van den Boom) - und sogleich fielen mir auch zwei liebgewonnene Menschen ins Auge: Thomas Vaterrodt und Volker Ilse, ihres Zeichens Mitglieder bei Marburger Verein für Phantastik (MVP) und Betreiber des jährlich stattfindenden Marburg-Cons, dem ich dieses Jahr leider keinen Besuch abstatten konnte. Ein wenig Small-Talk, dem sich im Verlauf außerdem Anke und Wolfgang Brandt vom Geisterspiegel, Thomas Backus (sein Debüt-Roman, "Zombies - Sie werden dich fressen! erscheint übrigens in Kürze und sollte von euch allen auch schnellstens gekauft/vorbestellt werden), Ralph Haselberger dazugesellten. UNTER ANDEREM. Fast im Sekundentakt fiel mir der/die eine oder andere Person auf: War das nicht ...? Ist das nicht ...? Da wird einem von vornherein klar, dass die vielen und wirklich hervorragend ausgesuchten Lesungen wohl ohne mich stattfinden werden. Stattdessen lautet das Motto Fachsimpeln. Eigentlich wie immer. Was auch nicht schlimm ist; im Gegenteil. Der Dialog zwischen Autoren, Verlegern und anderen Künstlern ist ja mit einer der Hauptgründe, warum wir alle jedes Jahr nach Dreieich fahren. Und macht gleich doppelt so viel Spaß, bei so vielen, ausnahmslos sympathischen Menschen. Irgendwann kam schließlich auch die restliche Fraktion des Fantasyguide (für den ich haupsächlich Filme und Bücher bespreche) in den Hauptsaal: Michael Schmidt, Markus Mäurer (seine Übersetzung von Brian Keenes Novelle "Eingesperrt" ist auch in Kürze fällig, darum Geldbeutel zücken!) sowie "unser" Kolumnist Holger M. Pohl samt Gattin. Fortan gab es kein Halten mehr; erreichten die Diskussionen - aus meiner Sicht - neue Höhen. Unter anderem wurde emsig über den Perry Rhodan-Reboot "Neo", die alte und neue "V"-Serie, Horror, geplante Anthologien und gefühlte 3500 andere Themen gesprochen. Dabei gesellten sich unter anderem Alexander Müller (besser bekannt als Molosowsky; googelt einfach mal seinen hochinteressanten, lesenswerten Blog), Ernst Wurdack, Björn Ratajczyk aus dem Horror-Forum sowie Bernd Rothe und Dirk Bützer (ebenfalls aus dem HF) dazu. Letztgenannter hatte übrigens seine BuCon-Premiere. Mit Feuereifer war Dirk, der wohl emsigste und netteste Buchsammler, den ich kenne, dabei, seine Bücher durch Autorenautogramme aufzuwerten - mich eingeschlossen. Obwohl es mir schleierhaft ist, warum meine Signatur irgendein Buch wertvoller machen soll ... Ferner knipste Anke Brand uns beide zusammen mit einer Ausgabe "meiner" Casus Belli-Anthologie, ehe sich Dirk daraufhin wieder ins Getümmel stürzte. Als er am späten Nachmittag schließlich vor Markus Heitz stand und auch diesen um Unterschriften bat, dachte ich nur: "Mission accomplished" - und freute mich für Dirk, den ich hoffentlich demnächst wieder treffen werde.
Und wieder einmal verflog die Zeit im Fluge. Im Grunde müssten wir alle noch immer in Dreieich sein und Gespräche führen, so viele bekannte Gesichter trifft man. Darum möchte ich mich auch an dieser Stelle bei allen entschuldigen, bei denen ich keine Zeit zum ausgiebigen Gedankenaustausch hatte: unter anderem Nina Horvath, Wolfgang Schroder ... die Liste ist lang.
Gegen 19.00 Uhr krönte schließlich wie immer die Verleihung des DPP (Deutscher Phantastik-Preis) dieses wie immer rundum gelungene Event; moderiert von PR-Kolummnist Hermann Ritter und Star Trek-Experte Mike Hillenbrand, komplettiert durch einen zombifizierten Dirk van den Boom. Wie immer sehr kurzweilig, sehr lustig, einfach klasse. Die Drei haben's wirklich drauf. Eine Liste der diesjährigen DPP-Gewinner fndet ihr übrigens weiter unten. Während der Verleihung spielten Holger M. Pohl, Andreas Flögel, Dirk Bützer, Michael Schmidt, Bernd Rothe und meine Wenigkeit die DPP-Variante der Elferwette, indem wir Tipps auf jene abgaben, die unserer Meinung nach den Preis erhalten würden. Dabei kristallisierte sich rasch heraus, dass besonders Holger einen guten Riecher hat, während ich meinen Ruf als schlechten Tipper mal wieder unterstreichen durfte. Eine Weile kam ich mir vor wie der 1. FC Kaiserslautern im Verlaufe dieser Saison (dass musste jetzt einfach sein), ehe ich dann doch noch ein paar Pünktchen einheimste und zumindest nicht vollständig nackt dastand. Immerhin: bei Markus Heitz lagen wir nahezu alle komischerweise richtig, wenn ich mich recht entsinne. Doch Spaß beiseite: der Mann schreibt gut, es kann ihm zur Zeit einfach keiner das Wasser reichen, darum ist sein Preis auch verdient. Ende der Durchsage.
Und des Bucons - zumindest in Dreieich. Gemeinsam mit den Jungs und Mädels von der Bibliotheka Phantastika ging's zum Abschluss nämlich weiter zum Griechen nach Neu-Isenburg. Neben schmackhaften Spezialiäten wurde natürlich weiter munter drauflos diskutiert. Erst irgendwann gegen halb Elf hieß es dann aber doch Abschied nehmen. Für mich ist das stets eine höchst zweischneidige Sache. Denn einerseits ist man froh über die stets konstruktiv-informativen Gespräche, andererseits aber auch traurig, weil es bis zum nächsten Con noch so lange hin ist ...
Es waren also durchaus gemischte Gefühle dabei, als ich die Heimfahrt antrat. Wobei der positive Anteil deutlich die Nase vorne hat.
Unterm Strich war also auch der diesjährige BuCon ein rundum gelungenes Event, für das ich mich bei den Veranstaltern von ganzem Herzen bedanken möchte. Wir sehen uns 2012!







Nachfolgend die diesjährigen DPP-Gewinner:

Bester deutschsprachiger Roman:

1) Markus Heitz: Judastöchter (Knaur)
2) Kai Meyer: Arkadien brennt (Carlsen)
3) Ju Honisch: Jenseits des Karussels (Feder & Schwert)
4) Bernd Perplies: Für die Krone (LYX)
5) Christoph Marzi: Grimm (Heyne)

Bestes deutschsprachiges Romandebüt:

1) Gesa Schwartz: Grim – Das Siegel des Feuers (LYX)
2) Carsten Zehm: Staub-Kristall (Acabus)
3) Ralph Haselberger: Fast tot (Persimplex)
4) Ales Pickar: In den Spiegeln 1 – Die dunkle Stadt (Vedra)
5) Harald A. Weissen: Begegnung mit Skinner (Sieben)

Bester internationaler Roman:

1) Neil Gaiman: Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard (Arena)
2) Brom: Der Kinderdieb (Pan)
3) Michael Laimo: Dämonenfeuer (Otherworld)
4) Scott Westerfeld: Leviathan – Die geheime Mission (cbj)
5) Iain Banks: Welten (Heyne)

Beste deutschsprachige Kurzgeschichte:

1) Vanessa Kaiser & Thomas Lohwasser: „Das Herz des Jägers“ (aus: Geschichten unter dem Weltenbaum – Low)
2) Sören Steding: „Frederika und der kleine Zombie“ (aus: Das Buch der lebenden Toten – Evolver)
3) Nadine Boos: „Finja-Danielas Totenwache“ (aus: Die Audienz – Wurdack)
4) Michael Zandt: „Nazi Zombie Holocaust“ (aus: Das Buch der lebenden Toten – Evolver)
5) Gunter Arentzen: „Scham“ (aus: Dark Vampire – Geisterspiegel.de)

Beste Original-Anthologie/Kurzgeschichten-Sammlung:

1) Lothar Mischke [Hg]: Geschichten unter dem Weltenbaum (Low)
2) Hans-Stephan Link [Hg]: Weltentor (Noel)
3) Stefan Cernohuby [Hg]: Von Feuer und Dampf (Arcanum)
4) Geisterspiegel.de: Dark Vampire (Romantruhe)
5) Thomas Fröhlich & Peter Hiess [Hg]: Das Buch der lebenden Toten (Evolver)

Beste Serie:

1) Perry Rhodan (VPM)
2) Richard Schwartz: Das Geheimnis von Askir (Piper)
3) Vampir Gothic (Romantruhe)
4) Mark Brandis (Wurdack)
5) Maddrax (Bastei)

Bester Grafiker:

1) Thomas Thiemeyer
2) Mark Freier
3) Christine Schlicht
4) Arndt Drechsler
5) Ernst Wurdack

Bestes Sekundärwerk:

1) Nautilus – Abenteuer und Phantastik (Abenteuer Medien)
2) Hither Shore – Jahrbuch der Deutschen Tolkien Gesellschaft (Scriptorium Oxoniae)
3) Magira – Jahrbuch zur Fantasy, Hermann Ritter & Michael Scheuch (Fantasy Club e.V.)
4) phantastisch! (Achim Havemann)
5) Fandom Observer

Bestes Hörspiel:

1) R. A. Salvatore: Drizzt 13: Das Vermächtnis (Lausch)
2) Gruselkabinett 44/45: H. P. Lovecraft: Berge des Wahnsinns (Lübbe)
3) Ernst Vlcek & Neal Davenport: Dorian Hunter 10: Der Folterknecht (Zaubermond)
4) Mythos & Wahrheit 5: Dracula (Stimmbuch)
5) Gruselkabinett 40/41: Jane Austen: Northanger Abbey (Lübbe)

Beste Internet-Seite:

1) www.phantastik-couch.de
2) www.bibliotheka-phantastika.de
3) www.fantasyguide.de
4) www.zauberspiegel-online.de
5) www.geisterspiegel.de

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