Dienstag, 18. Januar 2011

Best of 2010

Wie schon im alten Blog, poste ich einmal im Jahr (okay, 2011 wird's wohl 2x sein ...) meine ganz persönlichen Best of-Listen - Bücher, Musik, Filme. Natürlich rein subjektiv und in keiner bestimmen Reihenfolge. Normalerweise wollte ich sie noch im alten Jahr posten, aber was nicht ist ... nun ja. Besser spät als nie, findet ihr nicht?
Also - here we go:

Bücher
Zunächst Folgendes: 2010 war ein weiteres starkes Jahr mit überaus starken Veröffentlichungen. Alte Hasen wechseln sich ab mit bemerkenswert talentierten Newcomern - und genau so soll es sein!

Roisin Fallon - Die Läuterung
Extrem harter Tobak aus deutschen Landen. Dieser Psychohorrorthriller hat es in sich. Wer stets der Meinung war, das dieses Genre vorwiegend von britischen und amerikanischen Autoren dominiert wird, wird hier eines Besseren belehrt, denn die Autorin ist eine Deutsche. Und ihre Feder rasiermesserscharf. Ich will mehr davon!

Brian Moreland - Schattenkrieger
Noch ein Debüt. Auch wenn Moreland mit bekannten Versatzstücken jongliert (die Schrecken des Zweiten Weltkriegs, Aberglaube und Mythen aus dem vorwiegend jüdischen Kulturkreis), so hat mich dieser schmissige Roman mitgerissen und war zu keiner Sekunde langweilig.

Ozzy Osbourne - Ozzy: Die Biographie
Die vielleicht beste Musik-Bio, die jemals geschrieben wurde. Der Prinz der Dunkelheit entpuppt zwar wie erwartet als extrem liebenswerter Prolet, Stehaufmännchen, Junkie, und - aufgrund seines Drogenkonsums - manchmal als richtiges Arschloch. Auf jeden Fall sieht man die Metal-Ikone nach Beendigung des Buches mit anderen Augen. Ach ja - und ein verdammt geiler Musiker ist er auch noch!

Bryan Smith - Depraved
Man stelle sich eine Mischung aus Texas Chainsaw Massacre, The Last House on the Left und The Devil's Rejects. Oder anders ausgedrückt: Gewalt, Gore, schmutzigen Sex, Vergewaltigungen, noch mehr Gewalt, noch mehr Gore ... und eine Prise Kannibalismus. Smyth - der in Kürze bei Festa seinen deutschen Einstand geben wird - kennt sich mit den Grindhouse-Klassikern genau so aus wie im Metier des Backwoods-Horror. Ein weiterer Laymon-Verehrer, der mit seinem fünften Buch sein bislang bestes Werk abgeliefert hat. Schnell, gnadenlos und ziemlich dreckig - und obendrein gibt's noch einen hübschen Storytwist. So muss das sein!

Markus Heitz - Judassohn
Mein erster Heitz (ohne Scheitz) und ich war begeistert. Entgegen meiner Vermutungen schreibt der Mann aus Zweibrücken sehr rasant, abwechslungsreich und stellenweise mit einer ziemlich direkten Härte. Oder hatte er einfach nur genug von den nicht enden wollenden Vampir-Schnulzen?

Josh Bazell - Schneller als der Tod
In der englischsprachigen Sektion der Bahnhofsbuchhandlung gefunden, neugierig geworden und gekauft. Zum Glück! Bazells erster Roman über einen Ex-Mafioso, dem das Zeugenschutzprogramm eine neue Identität als Arzt verschafft hat und der schließlich von seiner alten Vergangenheit eingeholt wird, entpuppt sich als dröhnender V12-Motor von Anfang bis Ende. Als hätte man die Spermaproben von Quentin Tarantino, Ken Bruen, Jason Starr und Richard Stark zusammengeschüttet und abgewartet, was dabei wohl rauskommen wird.

Brian Keene - A Gathering of Crows
Kein Best of ohne Brian Keene! Aber was will man machen? Der Mann schreibt auch weiterhin die vielleicht besten Horrorromane der Gegenwart. Keenes neueste Mär für fünf dämische Gestalten, die sich aufmachen, die Bewohner einer Kleinstadt zu dezimieren, ist rasanter, auf den Punkt gebrachter Horror, der durch die sorgfältigen Charakterstudien und Keenes unverblümten Blick auf sein Land und dessen Bewohner zusätzliche Größe erhalt ist ein weiteres Musterbeispiel, wie moderner Horror zu sein hat.

Brett McBean - Die Mutter
Erwähnte ich eingangs Roisin Fallon, darf der Australier Brett McBean auf gar keinen Fall fehlen! Sein Einstand kommt einer Naturgewalt gleich und erinnert an die Sternstunden eines Jack Kechtum. Auch hier wird um raschen Nachschlag dringendst gebeten!

Kevin J. Anderson - Enemies & Allies
In der schier undurchschaubaren Masse von sog. Tie-Ins, also Adaptionen bzw. Fortführungen von populären und/oder erfolgreichen Filmen, Comics oder Videospielen sticht Vielschreiber Andersons Rekapitulierung von der ersten historischen Begegnung zwischen Superman und Batman während des Kalten Krieges deutlich hervor. Kurzweilig und nicht eine Sekunde langweilig!

Musik

Accept - Blood of the Nations
Nie, aber nie und nimmer hätte ich den Solingern solch eine verdammt geile Comeback-Scheibe zugetraut! Aber der Teutonen-Zug rollt wieder! Dank des herausragenden Fronters Mark Tornillo (den ich übrigens Udo Dirkschneider vorziehe!) und der genialen Produktion von Andy Sneap, in der alte Stärken mit neuen Techniken verbunden werden, sind Accept mehr als gerüstet für Zukunft.

In this Moment - A Star-Crossed Wasteland
Metalcore und Modern Metal in einem äußerst geschmackvollen Gewand. Aber vorsicht: Wenn Maria Brink loslegt, heißt es in Deckung gehen. Will ich unbedingt mal live sehen!

Sonic Syndicate - We rule the Night
Gute Ansätze hat's auf den Vorgängerscheiben mehr als genug gegeben. Leider war das aber (noch) nicht genug, um vollends überzeugen zu können. Bei We rule the Night sieht's in dieser Hinsicht ganz anders aus. Sicher, man liebäugelt mit dem Mainstream und hat das Gegröle ein wenig runtergeschraubt, um Platz für tolle Melodien zu schaffen - doch mit Erfolg! Ich denke, dass die Schweden ab sofort von sich behaupten können, ihren ganz eigenen Stil endlich gefunden zu haben.

Volbeat - Beyond Hell/Above Heaven
Das Volbeat 2010 international den großen Durchbrch erleben, hat nichts mit cleverem Marketing zu tun. Vielmehr ist dies das Resultat von harter Arbeit und konstanter Neugierde. Klar, unsere liebsten Dänen klingen grob gesagt noch immer wie die metallische Version von Elvis und seinen Spießgesellen, wagen es aber trotzdem, auch mal zu neuen Ufern aufzubrechen: hier ein Hauch Slayer, dort eine Prise Beatsteaks - und sogar für Kreators Mille und Grindcore-Legende Barney ist Platz. Doch den Gipfel haben die Mannen um Michael Poulsen noch längst nicht erreicht.

Danko Jones - Below the Belt
Sein vielleicht bestes Album. Granatenstarke Ohrwürmer, wohin man auch sieht. Druck- und kraftvoller Punkrock mit einem Spriter Metal. Da nimmt man es dem Kanadier auch nicht krumm, dass er sich bei Active Vulcanoes ein wenig zu offensichtlich an Kiss' Love her all I can orientiert hat. Ach ja - und mit den Videos zu Full of Regret (mit Motörheads Lemmy, Selma Blair und Elijah Wood) und Had Enough (mit Ralph "Karate Kid" Macchio) hat er bewiesen, dass Videoclips auch in Zeiten von MTViva und Superstars coole Kunstwerke sein können. Respekt.

Die Happy - Red BoxSchätzelein Marta Jandova als Jurion bei den Popstars - färbt dies womöglich auf die Ulmer Powerpopper ab? Zum Glück nicht. Entgegen aller schlimmster Prognosen rocken Die Happy wieder wie zu alten Zeiten. Selbst das Destiny's Child-Cover Survivor klingt gut! Hoffentlich bald wieder in einem stickig-verschwitzen Laden in meiner Nähe.

Hans Zimmer - Inception (Soundtrack)
Schon im Kino war es mir schier unmöglich, sich den Klängen des Frankfurters zu entziehen. Mal lässt es Zimmer ordentlich knallen, dann schlägt er sanft-mysteriöse Klänge an, welche auch ohne Christopher Nolans Bilder für grandioses Kopfkino sorgen.

Steel Panther - Feel the Steel
Vorsicht, lustig: Hier wird jedes True Metal-Klischee der 80er so dermaßen geil und überzogen exerziert, dass man beinahe glauben könnte, die vier Spandexjünger wären im wahren Leben genau so drauf (obwohl ...). Ich denke, Songtitel wie Fat Girl oder Asian Hooker sagen mehr als genug. Doch die Panter aus Stahl beschränken sich nicht nur auf die Comedy. Samt und sonders sind hier vier hundertprozentig überzeugende Profimusiker am Werk, die dafür sorgen, dass jedes Lied gleich ins Ohr geht. Und genau darin liegt die Ironie des Ganzen: Denn mit ihrer köstlichen Persiflage auf Sex, Drugs and Rock and Roll könnten Steel Panther durchaus ein wahres Hairmetal-Revival lostreten!

We are the Fallen - Tear the World down
Geschasste Mitglieder von Evanescence (allen voran Bandgründer Ben Moody)und eine ehemalige American Idol-Teilnehmerin ... das kann doch nichts werden, oder? Tja, falsch gedacht. Wovor sich Amy Lee und ihre Jungs weiterhin zieren - nämlich eine neue Platte mit möglichst guten Songs - wird von den Gefallenen aufgegriffen und dankbar angenommen. Nicht zuletzt dank Ben Moody hört sich Tear the World verdächtig nach dem Evanescence-Debüt an (nach wie vor eine meiner Lieblingsplatten), sticht dann jedoch dank Carly Smithsons Stimme wiederum aus der grauen Masse hervor. Konkurrenz, liebe Amy, Konkurrenz!

Pearl - Little Immaculate White Fox
Scott Ians (Anthrax) bessere Hälfte und die Tochter eines gewissen Michael Lee Aday, der als Meat Loaf Weltkarriere machte. Und die Dame kann singen! Verdammt gut sogar! Hinter ihrem Vater braucht sich Pearl keineswegs zu verstecken. Ihr ehrlicher, treibender Classic-Rock ist einfach gut.

Slash - Slash
Was seine ehemaligen Kollegen einfach nicht mehr auf die Kette kriegen - eine geile Platte - gelingt dem ehemaligen Guns N' Roses-Gitarristen mit geradezu spielerischer Leichtigkeit. Okay, es gab "ein wenig" Unterstützung: Ozzy Osbourne, Chris Cornell,
Kid Rock, Lemmy Killmister, Iggy Pop - und nicht zuletzt Fergie, die größte Überraschung des Albums. Was hat die Dame bei solch einer Weicheiertruppe wie den Black Eyed Peas verloren? Das ist eine waschechte Rockerin, verdammt noch mal! Unterm Strich ein Hammeralbum. Ein Highlight jagt das andere.

Deftones - Diamond Eyes
Ahh, sie sind wieder zurück! Und in alter Stärke! Ein Jahrzehnt (!!!) nach ihrem Meisterwerk White Pony haben die Nu Metal-Ikonen endlich wieder eine Scheibe fabriziert, welche direkt an die besten Werke des Genres anknüpft. Kann man ja auch nicht immer sagen, gell Linkin Park? (Knüppel-)hart und zart in einer einzigartigen Melange - und eine herausforderung für die Bassregelung der Stereoanlage.

Rage - Strings to a Web
Das mit Abstand beste Album der Herner Combo seit langer Zeit (was nicht heißen soll, dass die Vorgänger schlecht waren; um Himmels Willen). Ähnlich wie bei Accept verschmelzen Moderne und Tradition; gepaart mit den Rage-typischen, geradezu süchtig machenden Melodien. Wahnsinn!

Filme

Inception (Regie: Christopher Nolan)
Genialer Film. Herausragend in diesem eher mauen Filmjahr. DiCaprio wie immer Spitzenklasse. Wer mehr wissen möchte, liest entweder die - berechtigten - Lobeshymmnen im Netz oder in den einschlägigen Publikationen oder, noch besser, sieht sich den Streifen selbst an.

Salt (Regie: Phillip Noyce)
Anjelina Jolie als Actionheldin. Eigentlich nix neues. Doch Noyce macht in seinem Agententhriller zwar nicht alles, aber doch verdammt viel richtig. Das ist einfach gutes, stets in Bewegung befindliches Kino, das die Anforderungen mehr als erfüllen kann. Könnte ich doch dergleichen vom letzten Bond behaupten ...

In meinem Himmel (Regie: Peter Jackson)
Nach King Kong hat Jackson seine Sucht nach CGI-Überfrachtung (ein wenig) runtergedreht und orientiert sich wieder an mehr Handfestem - wie etwa seinen Schauspielern und der Story. Die Mischung aus Krimi, Familientragödie und Fantasy ist handwerklich perfekt und geht einem nahe. Und wenn CGI, dann überzeugend. Außerdem wissen wir nun: Mark Wahlberg kann ja wirklich schauspielern!

[Rec]²(Regie: Jaume Balagueró, Paco Plaza)
Sehr schöne Fortsetzung der spanischen Zombies. Statt Wackelkamera gibt es diesmal Egoshooter-Optik. Trotzdem: fast so gut wie das Original.

Kick-Ass (Regie: Matthew Vaughn)
Wenn ein zehnjähriges Mädchen Drogendealern ein Bein abhackt oder auf ähnliche Art und Weise um die Ecke bringt, dann ist dies filmische Anarchie - und einfach ein geiler Ritt. Vaughn huldigt zwar seinen großen Vorbildern aus dem Hause Marvel und DC, reckt aber dem drögen Mainstream über die ganze Länge des Films beide Mittelfinger entgegen. Mein persönlicher Film des Jahres!

Orphan - Das Waisenkind (Regie: Jaume Collet-Serra)
Kinder als Bösewichte ... ein alter Hut. Der Franzose Jaume Collet-Serra weiß aber was damit anzufangen. Hier kommt der Schrecken auf leisen Sohlen angeschlichen - und in Form einer grandiosen Hauptdarstellerin (der 14jährigen Isabelle Fuhrman).

The Collector (Regie: Marcus Dunstan)
Nachdem er dem Saw-Franchise gekündigt hatte, versuchte sich Marcus Dunstan an etwas eigenem, konnte sich aber dennoch nicht vollständig von Jigsaw lösen. Auch hier gibt es einen Bösewicht Larger than Life, jede Menge tödliche Fallen und keine Blutknappheit. Trotzdem überzeugt der Film mehr als alles, was nach Saw 2 kam.

District 9 (Regie: Neill Blomkamp)
Nein, nicht Avatar, sondern District 9 findet sich in dieser Liste. Zum einen, weil die Story frisch, intelligent und mit sozialkritischen Untertönen glänzen kann, zum anderen, weil hier mit minimalem Budget fast genauso faszinierende Bilder erschaffen wurden wie in James Camerons Epos. Zu dumm nur, dass Hauptdarsteller Sharlto Copley dank dem A-Team-Remake sicherlich nicht wenig seiner guten Reputation hat einbüßen müssen.

True Blood (TV-Serie)
Wahres Blut, wahre Vampire! Anders als in den drögen Teenie-Schmachtromanzen geht's hier ordentlich zur Sache. Es wird gemordet, geflucht, gebissen und ordentlich gempimpert. Auch wenn ich stellenweise (besonders zu Beginn der 1. und in der Mitte der 2. Staffel) das Gefühl hatte, einen, zugegebenermaßen gut produzierten Soft-Porno in den Player geschoben zu haben, so überzeugt die auf Charlaine Harris' Büchern basierende Serie auf voller Linie. Selbst für den einen oder anderen nachdenklichen Unterton ist Platz.

Breaking Bad (TV-Serie)
Es ist mir ein Rätsel, warum in der gleichnamigen Fernsehserie ausgerechnet Malcolm, und nicht sein Vater Hal im Mittelpunkt stehen musste. Gerade Bryan Cranstons meisterhaftes Comedygespür war es doch, welche innerhalb der Reihe die meisten Akzente gesetzt hat. Zum Glück wurde dem versatilen Mimen endlich eine eigene Serie zuteil, in der Cranston einen ebenso verzweifelten wie tollpatschigen Durchschnittbürger spielt, der dank seiner tödlich verlaufenden Krebserkrankung und der damit verbundenen finanziellen Engpässe, die sein Ableben für dessen Familie bedeuten, zum Äußersten gezwungen wird - und "Karriere" als Drogendealer macht. Erdacht vom ehemaligen Akte X-Coproduzenten Vince Gillian, spielt Cranston womöglich die Rolle seines Lebens; stets auf dem schmalen Grat zwischen Drama und Komödie. Einfach wunderbar!

So, dass waren sie. Meine Favoriten des vergangenen Jahres. Ich bin mir ziemlich sicher - Quatsch, ich weiß es! - den einen oder anderen vergessen zu haben, dennoch bietet dieser Überblick einen dennoch ziemlich passablen Querschnitt über meine Vorlieben. Gegenmeinungen erwünscht!

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